Entstehen Windkraftanlagen in der Nähe von Winnen?

 Michael Meinel in Allendorf/Lda

Michael Meinel in Allendorf/Lda (Foto: vh)

Allendorf/Lumda (vh). Kommen die drei Windkraftanlagen oberhalb des »Kalten Stalls« von Winnen oder kommen sie nicht?

Der Regionalplan Mittelhessen weist eine Fläche zwischen Leidenhofen (Ebsdorfergrund, Landkreis Marburg-Biedenkopf) und Winnen (Allendorf/Lumda, Landkreis Gießen) dafür aus. Laut Christian Zuckermann, Vorsitzender des Grünen-Ortsverbands Allendorf, hat der Bürgermeister der Nachbargemeinde, Andreas Schulz, gesagt, sie käme auf jeden Fall. Allerdings stellte Michael Meinel, Grünen-Beigeordneter der Gemeinde Lahntal (Landkreis Marburg-Biedenkopf) und neuerdings auch Grünen-Abgeordneter im Kreistag im Künstlerhof Arnold fest, das sei noch nicht zu hundert Prozent in trockenen Tüchern. Meinel hat sich beruflich als Energieexperte etabliert und referierte auf Einladung des Grünen-Ortsverbands über erneuerbare Energien und Möglichkeiten ihrer Umsetzung in der Region.

Michael Meinel nahm zu erneuerbaren Energien Stellung.

Der Referent startete mit einer Rückschau auf die bisherigen Hauptenergieträger unter dem Aspekt der globalen Erwärmung, die nicht überall Auswirkungen zeigen müsse und nicht unbedingt solche mit ausschließlich negativem Charakter. Beispielsweise wanderten Feuchtigkeitsströme in die Sahara ein und führten dort womöglich wieder zu mehr Fruchtbarkeit.

Meinels Redeeinstieg handelte meist hinlänglich Bekanntes ab und erst bei den Konsequenzen daraus wurde es im voll besetzten Versammlungsraum für die Zuhörer (nicht nur Grüne) interessant. Etwa die Auskunft, dass der Griff nach den erneuerbaren Energien nicht der alleinige Königsweg sei, sondern stets einher gehe mit prinzipieller Energieeinsparung und Energieeffizienz. Auf dieser Schiene sei nämlich das deutsche Ingenieurswesen weltweit führend. In Sachen Spezialmaschinenbau und intelligenter Steuer- und Regeltechnik spielten sogar regionale innovative Unternehmen eine Rolle. Meinel: »Etwa bei uns im Hinterland«. Bloß verfüge die Sparte Steuertechnik bisher noch nicht über die notwendige Lobby. Meinel beleuchtete das Argument eines erheblichen Wertschöpfungspotenzials für die Region in Millionenhöhe. Zumal eingesparte Energiekosten wieder sinnvoll reinvestiert werden könnten. Bezogen auf die Flächeneffizienz hätten alle erneuerbaren Energieformen Vor- und Nachteile, sodass immer der geeigneteste Energiemix zu suchen sei. Die Alltagswirklichkeit sehe oft anders aus, weil »jede Regierung ihre Lieblinge« bevorzuge. Die Region Mittelhessen soll bis 2020 zu einem Drittel über erneuerbare Energie versorgt werden, wusste Meinel. Und die Windkraft als effektivste Energieform erhalte fast zwangsläufig den größten Stellenwert.

Christian Zuckermann äußerte sich zu den Windkraftvorhaben.

Zeitlich lange und thematisch breit wurde nach Meinels Vortrag diskutiert. Über angeblich zu wenig ausgewiesene Vorrangflächen für Windkraft, über Unstimmigkeiten diesbezüglich zwischen Regionalversammlung und Regierungspräsidium, über die unklare Ausrichtung von Hessen-Forst, künftige Windkraft-Standorte weit genug weg von der Wohnbebauung in den Wald zu verlegen, über Energie-Genossenschaften vor Ort, über zielgerichtete Energieberatung für Kommunen, Klimabündnisse, Nachhaltigkeitsstrategien oder ein Windkataster für den Landkreis.

Im Gespräch mit der Allgemeinen äußerte sich Christian Zuckermann zu den Windkraft-Plänen im Ebsdorfergrund-Leidenhofen. Gesetzt den Fall, dort würden tatsächlich drei Anlagen errichtet, dann könne Allendorf das nicht verhindern. Dann würde sich die Fraktion der Grünen höchst wahrscheinlich dazu entschließen, einen Prüfungsantrag im Parlament einzureichen, ob es möglich und sinnvoll sei, gleich an der Standortgrenze drei Anlagen auf dem Gebiet Allendorf-Winnen anzufügen. Bürgermeister Schulz habe ihm, Zuckermann, grundsätzlich Kooperation zugesichert, auch hinsichtlich weiterer Ideen bei der Ausführung erneuerbarer Energiekonzepte. Und Experte Meinel würde sich auch einklinken. (Foto: vh)

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung vom 25.05.2011

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.